Malwida von Meysenbug –
Zur Person
1816 in Kassel als Tochter von Ernestine und Carl Rivalier, Hofbeamter des Hessischen Kurfürsten Wilhelms II., geboren.
Gestorben am 26. April 1903 in Rom.
Sie sympathisierte mit der Revolution von 1848, nannte sich Anhängerin der „demokratischen Partei“ und „Sozialistin“, interessierte sich für die „soziale Frage“.
Sie unterhielt rege Kontakte mit vielen herausragenden Persönlichkeiten ihrer Zeit .

Als Autorin wurde sie vor allem durch ihr Hauptwerk „Memoiren einer Idealistin“. bekannt, das 1869 zunächst in Französisch, 1876 dann erweitert in Deutsch erschien.
Malwida von Meysenbug wurde am 28. Oktober 1816 in Kassel als Malwida Rivalier geboren und verbrachte hier ihre Kindheit. Ihr Vater Carl Rivalier entstammte einer hugenottischen Familie. Als Freund und Hofbeamter, später Staatsminister des Hessischen Kurfürsten Wilhelms II., der im Geiste des Wiener Kongresses regierte, wurde er 1825 für besondere Verdienste geadelt. Mit der reaktionären Politik in Kurhessen identifiziert, wurden er und seine Familie im Zuge der Revolution von 1831 Ziel tätlicher Angriffe.
Trotz der vielschichtigen Eindrücke in der Kindheit sympathisierte Malwida von Meysenbug im Erwachsenenalter mit der Revolution von 1848, verstand sich als Anhängerin der „demokratischen Partei“ und „Sozialistin“, interessierte sich besonders für die „soziale Frage“. Obwohl Frauen zu den Sitzungen des Vorparlaments in der Frankfurter Paulskirche nicht zugelassen waren, gelang es ihr, sich mit gleichgesinnten Frauen Einlass zu verschaffen. Erste Gedanken zur Emanzipation der Frau wurden um diese Zeit von ihr formuliert.
Nach dem Scheitern der Revolution studierte sie 1850 an der bald von den Behörden wieder aufgelösten Hamburger Hochschule für das weibliche Geschlecht. Aufgrund ihrer Kontakte zu führenden Demokraten und angesichts einer drohenden Verhaftung emigrierte sie 1852 nach London. Dort verdiente sie ihren Lebensunterhalt mit Unterrichten, Übersetzungen und schriftstellerischen Arbeiten. Sie wurde Erzieherin im Haus des russischen Revolutionärs Alexander Herzen und vertrat Mutterstelle bei der jüngsten Tochter Olga Herzen, die 1873 den französischen Historiker Gabriel Monod heiratete.
Malwida von Meysenbug kannte viele bedeutende Persönlichkeiten ihrer Zeit und führte einen ausgedehnten intensiven Briefwechsel mit ihnen. Das waren in London Johanna und Gottfried Kinkel, Carl Schurz, Alexander Herzen, Giuseppe Mazzini und Giuseppe Garibaldi. Als sie sich Anfang der 60er Jahre zweimal längere Zeit in Paris aufhielt und später, als sie vorübergehend in Bayreuth (1873 bis Winter 1876/1877) und dann ständig in Rom lebte, kamen Richard Wagner, Friedrich Nietzsche , der Maler Franz von Lenbach und der damals noch unbekannte Romain Rolland hinzu. Mit ihrer Weltläufigkeit, der Beherrschung von fünf Sprachen, ihren breit gefächerten Interessen für kulturelle und politische Belange, kann sie mit Recht als eine Europäerin ersten Ranges bezeichnet werden.
Ihr Hauptwerk erschien 1869 zunächst in Französisch, 1876 dann erweitert in Deutsch unter dem Titel „Memoiren einer Idealistin“. Es erlebte viele Auflagen, wurde in verschiedene Sprachen übersetzt und beeinflusste bis in das 20. Jahrhundert hinein Generationen von Frauen. Sie forderte die Emanzipation der Frau und betonte für deren Realisierung den Anspruch auf Bildung und Beruf. Auch zeichnen die Memoiren ein interessantes Zeitbild über den Zeitraum eines halbes Jahrhunderts.
Malwida von Meysenbug starb am 26. April 1903 in Rom. Ihr Grab befindet sich auf dem Cimitero accatolico bei der Cestius Pyramide neben dem Grab von Goethes Sohn.

Die Beschäftigung mit Malwida von Meysenbug eröffnet ein Panorama der historischen, sozialen und politischen Ereignisse des 19. Jahrhunderts in Deutschland und Europa bis hin zu den Motiven für die Auswanderung deutscher Emigranten nach Amerika. Ihre Rolle als „aristokratische Demokratin“ , deren Brüder Karriere an deutschen Fürstenhöfen machten, war nicht eben leicht und belastete die Beziehung zu ihrer Familie stark. Obwohl sie sich nicht, wie etwa die gleichaltrige Louise Otto-Peters, politisch organisierte, kann sie als Wegbereiterin der frühen Frauenbewegung angesehen werden.
Sie zeigte sich bis ins hohe Alter hinein als Idealistin, als Anti-Imperialistin und Pazifistin und bezog leidenschaftlich Stellung zum politischen Tagesgeschehen, so etwa, wenn sie journalistisch für Alfred Dreyfus eintrat.
Wie immer man diese in sich widersprüchliche Person beurteilt: Wir meinen, dass das Kennenlernen von Leben und Werk lohnt, und laden Sie dazu ein.
Lebenslauf
28.10.1816
in Kassel als Malwida Rivalier geboren, Vater: Carl Rivalier, Jurist und Minister beim Kurfürsten, entstammte einer Hugenottenfamilie, Mutter: Ernestine Rivalier, geb. Hansel
1825
Erblicher Adelstitel durch Kurfürst Wilhelm II: Rivalier von Meysenbug
1830
Julirevolution in Paris mit Auswirkungen in deutschen Städten, u.a. in Kassel
1831
Vorwurf der Unterstützung der reaktionären Politik in Kurhessen als Minister. Zielscheibe der Protestierenden – Steine gegen die Fenster des Hauses der Familie. Abdankung des Kurfürsten. Dieser verlässt Kassel in Begleitung von Malwidas Vater
1832 / 33
Umzug Malwidas mit der Mutter nach Detmold
1842 / 43
Winteraufenthalt Malwidas bei ihrem Vater in Frankfurt am Main
1843
Bekanntschaft mit dem Theologen und politischen Schriftsteller Theodor Althaus in Detmold. Intensive Beschäftigung mit den Ideen des Sozialismus, der Demokratie und der Emanzipation. Zunehmende Distanz zu ihrer konservativen Familie.
Theodor Althaus wird ihre große Liebe mit schwieriger Trennung 1847
1847
Übersiedlung zu ihrem Vater nach Frankfurt am Main. Trennung von Theodor Althaus, der nach Leipzig geht.
28. Dezember: Tod des Vaters
1849
Sieg der Reaktion. Politischer Reisebericht: Eine Reise nach Ostende
1850 – 1852
Mitglied der Hamburger „Hochschule für das weibliche Geschlecht“ bis zu deren Auflösung
April 1852
Berlin. Polizeiliche Verfolgung und Hausdurchsuchung wegen ihrer Kontakte zu führenden Demokraten
Mai 1852
Flucht nach London. Schwierige Existenzsicherung durch Unterrichten
1853 – 1856
London: Erzieherin der Töchter Olga und Natalie im Haus des Vaters, des russischen Revolutionärs Alexander Herzen. Trennung von der Familie Herzen, aber lebenslange Freundschaft mit Olga Herzen.
Bekanntschaft mit führenden Emigranten Europas, z.B. Johanna und Gottfried Kinkel, Carl Schurz, Kossuth, Mazzini, Garibaldi
1856 – 1859
Verstärkte schriftstellerische Tätigkeiten (Übersetzungen, Artikel, Aufsätze)
1859 / 60
Paris. Freundschaft mit Richard Wagner
1862
Übersiedlung nach Italien; häufige Ortswechsel: Rom, Venedig, Capri, Florenz; außerdem Bern, München
1870
Trauzeugin bei der Hochzeit Richard Wagners mit Cosima, der Tochter von Franz Liszt
1872
Zur Grundsteinlegung des Wagnerischen Festspielhauses in Bayreuth. Bekanntschaft mit Friedrich Nietzsche
1876
Erste deutsche Ausgabe der Memoiren einer Idealistin (3 Bände)
1877
Endgültige Niederlassung in Rom. Sie schreibt Romane, Erzählungen, Abhandlungen, Artikel und setzt sich dabei immer wieder kritisch mit den politischen Entwicklungen in verschiedenen Ländern, mit der Gleichstellung der Frau, der sozialen Frage und dem Kampf gegen Militarismus auseinander
1890
Beginn der lebenslangen Freundschaft mit Romain Rolland
1898
Erscheinen ihres Alterswerks „Lebensabend einer Idealistin“
26.4.1903
Tod Malwida von Meysenbugs in Rom
1.4.1904
Beisetzung ihrer Urne auf dem Protestantischen Friedhof bei der Cestius-Pyramide in Rom
1984
Gründung der Malwida von Meysenbug-Gesellschaft in Kassel zur Erforschung des Lebens und Wirkens von Malwida von Meysenbug in ihrer historischen und aktuellen Bedeutung























